Besserer Anbau. Bessere Zukunft.

UTZ Certified, dt. UTZ-zertifiziert, ist ein Programm und Gütesiegel für nachhaltigen Anbau von Agrarprodukten. Das Programm wird seit 2002 von einer gleichnamigen Stiftung mit Hauptsitz in Amsterdam betrieben. Sie unterhält nach eigenen Angaben das größte Labelprogramm für Kaffee weltweit und zertifiziert zudem Tee, Rooibos und Kakao. Voraussetzung für die Zertifizierung ist die Einhaltung eines Verhaltenskodex durch die Landwirte, der soziale Kriterien festlegt und Anforderungen an die Umweltverträglichkeit und effiziente Bewirtschaftung stellt. Die Stiftung ist Mitglied der ISEAL Alliance.

Verhaltenskodex

Die Kriterien der Zertifizierung gehen vom privatwirtschaftlichen Standard GlobalGAP, früher EurepGAP, für gute landwirtschaftliche Praxis aus. Das Rückverfolgbarkeits- und Transparenzsystem geht nach eigenen Angaben über diesen Standard hinaus. Dementsprechend konzentriert sich UTZ Certified besonders auf das Management landwirtschaftlicher Betriebe, insbesondere auch von Kleinbauern.[9] Im Gegensatz zum Fair-Trade-Siegel setzt UTZ Certified keine Mindestverkaufspreise fest, sondern überlässt die Preisbildung dem Markt. Der Vorteil gegenüber einer bloßen Einhaltung der GlobalGAP-Kriterien besteht für Produzenten und Händler vor allem darin, dass durch das Gütesiegel die Einhaltung der Kriterien den Aufkäufern und Endabnehmern sichtbar wird. Ob die Einhaltung der Kriterien finanziell honoriert wird, hängt letztlich von der Bereitschaft der Aufkäufer ab, einen Aufpreis für zertifizierte Produkte zu bezahlen. Im Vergleich mit den Systemen der Fairtrade Labelling Organizations International und Rainforest Alliance wird es von manchen Autoren als das am stärksten marktorientierte eingeschätzt.[10]

Um zertifiziert zu werden, müssen Landwirte nicht von Anfang an alle Kriterien des jeweiligen Verhaltenskodex erfüllen. So müssen zertifizierte Betriebe z. B. erst ab dem dritten Jahr der Zertifizierung sicherstellen, dass ein in Erster Hilfe ausgebildeter Mitarbeiter dort anwesend ist. Auch müssen Produkte mit UTZ-Gütesiegel nicht zu 100 % zertifizierte Rohstoffe enthalten; im Jahr 2013 lag der erforderliche Anteil bei 60 %.

Dokumentation

Um die Nachverfolgbarkeit von UTZ-Certified-Produkten sicherzustellen, müssen Landwirte ihre nach den Standards der Organisation angebauten Produkte lückenlos dokumentieren und von unzertifizierten Produkten zu jedem Zeitpunkt fernhalten. Weitere Dokumentationspflichten betreffen die Einhaltung anderer Standards, z. B. muss eine Liste aller verwendeten und vorgehaltenen Düngemittel geführt werden.

Soziales

Die sozialen Kriterien orientieren sich an Konventionen der International Labour Organization. Arbeitern muss gestattet werden, sich gewerkschaftlich zu organisieren und kollektiv Tarife auszuhandeln. Zwangsarbeit und die Beschäftigung von Kindern unter 15 Jahren ist untersagt. Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren dürfen nicht in gefährlichen oder ihrer Gesundheit abträglichen Tätigkeiten eingesetzt werden. Bei der Verwendung gesundheitsschädlicher Pestizide ist Schutzkleidung zur Verfügung zu stellen.

Die „normale“ Gesamtarbeitszeit darf 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Überstunden müssen vergütet werden, dürfen nicht regelmäßig verlangt werden und 12 Stunden pro Woche nicht übersteigen. Körperstrafen sind verboten. Örtliche Mindestlöhne sind einzuhalten und gleiche Arbeit gleich zu entgelten. Darüber hinausgehende Anforderungen an die Lohnhöhe gibt es nicht.